"Herr, schmeiß Hirn ra!" - Ein schwäbischer Abend mit Benefizschwätzer Dr. Gerhard Raff

October 27, 2017

Die „Schwäbische Zeitung“ hat Gerhard Raff einmal als „Multimillionenstifter mit Minimaleinkommen“ bezeichnet – und damit ins Schwarze getroffen. Der inzwischen 71-jährige Historiker und langjährige Kolumnist der „Stuttgarter Zeitung“ und des „Evangelischen Gemeindeblattes“ hat sich nicht nur um die Aufarbeitung der Geschichte des Hauses Württemberg („Hie gut Wirtemberg allewege“), der Stadt Stuttgart und der Schwaben im Allgemeinen verdient gemacht, sondern ganz im Besonderen um unzählige kulturelle und soziale Projekte. Dorthin spendet er die Erlöse seiner vielfach verkauften Bücher, seiner Lesungen und Vorträge seit Jahrzehnten.

Bis vor zwölf Monaten hat Raff so bis zu 300 Veranstaltungen im Jahr als selbsternannter „Benefizschwätzer“ absolviert, ein „suizidaler Lebenswandel“, wie seine Ärzte ihm nach einem Schlaganfall vor genau einem Jahr attestierten. Seitdem sagt er alle Anfragen aus Gesundheitsgründen ab – bis auf jene

für einen Auftritt in der Pleidelsheimer Mauritiuskirche. Diese eine Ausnahme habe er einfach machen müssen: zu Ehren seines 1644 verstorbenen Urahnen David Raff, einstmals Pfarrer in Pleidelsheim und womöglich im Chor der Mauritiuskirche begraben, und in Memoriam seines „großen Förderers und Rückenstärkers“ Martin Hohnecker, den 2012 verstorbenen ehemaligen stellvertretenden Chefredakteur der „Stuttgarter Zeitung“. Für seinen Auftritt in der Mauritiuskirche hat Raff allerdings sein Honorar kräftig erhöhen müssen: „Statt bisher 0,0 Promille der Spende wandern jetzt satte 0,0 Prozent in meine Tasche“, sagte der gebürtige Degerlocher vor seinem Auftritt in Pleidelsheim augenzwinkernd.

Und dann legte er in der proppenvollen Mauritiuskirche auch schon los – mit einer Lesung seiner besten Geschichten und Gedichte aus „Herr schmeiß Hirn ra“, aus seiner „Eisernen Ration“, aus „Die Gschicht von Mose ond de zehn Gebot“, aus „Schwäbische Juwelen“ und und und … Das seit über einem Vierteljahrhundert erfolgreiche Prinzip Raffs („Eintritt frei! Austritt gegen Spende je nach Gefallen und Vermögenslage“) hat auch seine eigene ausgesprochen unausgesprochene Erwartung übertroffen: „Alles unter 1000 Euro wäre eine Ohrfeige, und ich bin in Württemberg in über 25 Jahren noch nie geohrfeigt worden.“ Auch in Pleidelsheim nicht, wo der unter anderem mit dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichnete Degerlocher und weltweit „meistgelesene Dialektautor der Gegenwart“ (Deutsche Verlags-Anstalt) nach einer insgesamt dreistündigen Veranstaltung (inklusive einer „kalligrafischen Signierstunde“) sehr zufrieden auf ein Spendenaufkommen von mehr als 2000 Euro für die noch nicht ganz finanzierte Sanierung der Mauritiuskirche blicken durfte. „Das war ein super Abend – nicht nur wegen der finanziellen Unterstützung für unsere Kirche. Auch die gemeinschaftliche Atmosphäre in der Kirche war wunderbar“, sagte der Pfarrer Samuel Hartmann – und dankte Gerhard Raff für seinen einzigen öffentlichen Auftritt im Jahr 2017.

Matthias Hohnecker

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